• Daniel Feigenbutz

Wie man ein "gesundes" Betriebsklima schafft



In vielen Unternehmen herrscht heute ein ungesundes Betriebsklima, das von Misstrauen geprägt ist. Technisierung und Automatisierung haben dazu geführt, dass die Maschine oft als effizienter eingestuft wird und die Menschen - das „Human Capital“ - eher nur noch als Kostenfaktor angesehen werden. Der Mensch soll möglichst funktionieren und das ausführen, was ihm vorgegeben wird - und ausgerechnet das tut er nicht oder nicht gut genug. Stattdessen beschwert er sich auch noch über ein kaltes und emotionsloses Betriebsklima.

Unternehmensleitern geht es da übrigens nicht anders. Auch sie sind getrieben von Anteilseignern, Markt, Kostendruck und sozialer Verantwortung. Auch sie müssen funktionieren, weil sie kaum Zeit haben, etwas zu bewegen, da sie sonst ganz schnell ihren Job wieder los sind. Auch hier regieren Misstrauen und Angst.

Am Ende ist nicht nur der einzelne Mensch krank, sondern das ganze Unternehmen.

Der Grund dafür liegt auf der Hand: Menschen sind eben keine Maschinen. Während man für Computer vereinheitlichte Programmiersprachen entwickeln konnte, müssen Menschen individuell angesprochen werden. Wir wollen als Individuum mit unseren ganz eigenen Bedürfnissen wahrgenommen werden.

Die Ursache liegt allerdings nicht bei den Unternehmen, sondern ist eher ein gesellschaftliches Phänomen. Schon in frühester Kindheit „lernen“ wir, was von uns erwartet wird, wie wir sein sollen und wie nicht. Wir werden nicht geliebt, weil wir sind, wie wir sind, sondern weil wir artig sind - ansonsten straft man uns mit Liebesentzug. Das lernen wir übrigens von Eltern, die es selber nicht anders, vielleicht sogar noch extremer erfahren haben (und es trotzdem so gut gemacht haben, wie sie konnten).

Insofern ist es fast konsequent, dass in unseren Unternehmen heute häufig ein kaltes Klima herrscht, immer mehr kontrolliert und weniger vertraut wird. Man kennt es eben nicht anders.

Da uns in der Regel unsere Eltern in der Kindheit auch am nächsten standen, sind sie auch in beruflicher Hinsicht oft unsere Vorbilder. Werte wie Sicherheit und Beständigkeit stehen in der Generation der Kriegskinder aus gutem Grund an erster Stelle, deswegen lernt man „was Anständiges“. Und irgendwann im Leben kommt dann die (Sinn-)Frage: „Bin das eigentlich ich?“ Und: „Was will ICH eigentlich wirklich?“

Hier kann (und sollte vielleicht) jeder für sich schauen, was für ihn die passende Lösung ist. Angebote dafür gibt es reichlich, und vielleicht nimmt man sie wahr, bevor an die Stelle der brennenden Flamme (engl.: „burning flame“) der Burnout tritt.

Aber auch wenn Unternehmen nicht die Ursache für solche Erscheinungen sind (die Unternehmenskultur sie aber durchaus fördern kann), müssen sie mit den Konsequenzen umgehen. Krankheitsquoten steigen (Mitarbeiter, die krank zur Arbeit kommen, verursachen übrigens doppelt so hohe Kosten wie Mitarbeiter, die krankgeschrieben werden), innovative Ideen bleiben aus, der Kostendruck steigt, es werden immer panischer noch so kleine Rädchen gedreht, weil das Unternehmen kränkelt - und am Ende steht dann eine Art „unternehmerischer Burnout“, denn die Symptome ähneln sich auffällig mit denen des menschlichen Burnouts.

Während früher der Mensch im Fokus stand, wurde in den letzten Jahren bzw. Jahrzehnten in erster Linie die Maschine in den Vordergrund gestellt, da sie sicherlich an vielen Stellen auch kostengünstiger und schneller arbeiten kann als der Mensch - dafür kann eine Maschine weder denken oder innovativ sein noch Bauchentscheidungen treffen.

In die Entwicklung von Maschinen oder Software wird mehr investiert als in die Entwicklung von Menschen, die oft gerade mal für den Umgang mit den neuen Maschinen geschult werden.

Menschen möchten sich aber auch entwickeln, haben dazu in Unternehmen allerdings nur noch sehr wenig Gelegenheit. Seminare oder gar Coachings kosten Geld, deren „Return On Investment“ (wirtschaftdeutsch für: „die Kosten wieder reingeholt“) oft nicht unmittelbar messbar ist. Dabei liegt es auf der Hand, dass zufriedene und kreative Mitarbeiter (natürlich auch Manager) ein Unternehmen nachhaltig positiv beeinflussen können und somit auch den Erfolg steigern.

Oft wird aber nur die Frage „Mensch oder Maschine“ gestellt, obwohl ein „sowohl als auch“ viel gewinnbringender sein kann. Und welche für das Unternehmen nützliche Kompetenzen bzw. Talente haben eigentlich die Mitarbeiter, die aufgrund der Automatisierung nicht mehr gebraucht werden? Und möglicherweise lassen sich sogar Kosten sparen, weil wertschätzend behandelte Mitarbeiter eben nicht Frust durch mehr Konsum kompensieren müssen - wo die Führungskraft zwischen Gehaltserhöhung oder noch frustrierterem Mitarbeiter wählen kann -, sondern gesund und kraftvoll zur Arbeit kommen.

Ohne eine authentische und nachhaltige Unternehmenskultur, die sich auch sehr für die Gesund-Erhaltung bzw. Gesundung ihrer Mitarbeiter einsetzt, wird es bald nicht mehr gehen. Es müssen mit Sinn gefüllte Perspektiven entwickelt und Werte geschaffen werden, die von allen gelebt werden.

Die Identität des einzelnen spielt da eine entscheidende Rolle, daher muss der Mensch wieder in den Mittelpunkt gerückt werden. Die Mitarbeiter zusammen - egal auf welcher Hierarchie-Ebene - machen die Identität des Unternehmens aus. Auch das Unternehmen braucht daher eine Antwort auf die Frage „Was will ich eigentlich wirklich?“.

Wie man das alles umsetzt? Da jedes Unternehmen wie auch jeder Mensch ein lebendiges, individuelles „System“ ist, kann auch hier die Antwort nur lauten: pauschale Lösungen gibt es nicht - die Lösung muss für jedes Unternehmen maßgeschneidert werden. Das mag am Anfang und zwischendurch immer wieder etwas Zeit und auch Geld kosten, ist dafür aber umso nachhaltiger. Mit einer stumpfen Axt gewinnt man ja auch keinen Holzfäller-Wettbewerb.

#Gesundheit #Unternehmenskultur #Werte #FürUnternehmen

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