• Daniel Feigenbutz

Warum sich die Frauenquote für Unternehmen als kontraproduktiv und innovationshemmend erweisen könnt



Nun wurde sie also von der Politik beschlossen - die Frauenquote kommt. Was im Sinne der Gleichberechtigung ein Erfolg sein mag, könnte für Unternehmen durchaus negative Auswirkungen haben.

Um diese provokante These nachzuvollziehen, muss man sich einerseits die vorherrschende Wertekultur anschauen und andererseits wissen, wie Systeme funktionieren.

In vielen Unternehmen herrschen Misstrauen und Angst vor Arbeitsplatzverlust sowie mangelnde Wertschätzung, Menschen werden unter Druck gesetzt, Machtgehabe ist an der Tagesordnung. Der aktuelle Engagement Index für Deutschland, erstellt vom Beratungsunternehmen Gallup, belegt, dass 85% aller deutschen Mitarbeiter demotiviert zur Arbeit gehen und der Hauptgrund dafür im Führungsverhalten liegt.

Führungskultur wesentlich für Produktivität

Die Führungskräfte haben also massiven Einfluss darauf, ob Mitarbeiter motiviert sind oder nicht, und somit auch produktiv und innovativ oder eben nicht. Die Führungsriege bildet dabei auch ein eigenständiges System. Da Systeme selbsterhaltend sind und somit Gefahren von außen abzuwehren versuchen, gibt es so gut wie keine Möglichkeit für Menschen (egal ob Mann oder Frau), die für andere Werte stehen, Teil des Systems zu werden, denn über die Besetzung von Führungsposten entscheiden meistens die, die selber Teil dieses Systems sind. Gesucht werden also systemkonforme Führungskräfte.

Um nun unter den Kandidaten für eine Führungsrolle aufzufallen, müssen sich Frauen oft mehr profilieren als Männer, was in erster Linie durch mehr Härte gelingt - was man bei vielen Frauen, die heute Führungspositionen innehaben, beobachten kann. Denkt man also unter dieser Prämisse die Umsetzung der Frauenquote konsequent zu Ende (d.h. mehr „harte“ Führungskräfte), wird es zukünftig noch mehr Mitarbeiter geben, die nur Dienst nach Vorschrift machen und innerlich gekündigt haben, aufgrund von verschiedenen Abhängigkeiten aber ein Unternehmen nicht verlassen. Darunter leidet massiv die Produktivität und die Mitarbeiter werden auch immer weniger innovative Ideen entwickeln, weil die dafür angemessene Wertschätzung ausbleibt. Selbst Gehaltserhöhungen oder Bonuszahlungen, sofern sie überhaupt gewährt werden, können das nicht wettmachen.

Wohlgemerkt: die Ursache für diese Situationen sind nicht Frauen in Führungspositionen. Aus den genannten Gründen kann diese Problematik aber durch eine Frauenquote noch verstärkt werden - sofern sich bei den Anforderungen an eine Führungskraft nichts ändert.

Umdenken bei der Besetzung von Führungsposten essentiell

Um aus diesem Dilemma einen Weg hinaus zu finden, ist ein Umdenken in deutschen Führungsetagen und Aufsichtsräten erforderlich, insbesondere bei der Besetzung von vakanten Leitungspositionen. Hier muss zukünftig hauptsächlich Wert auf die eher weichen Skills wie soziales Verantwortungsbewusstsein und Empathie gelegt werden.

Zu den Aufgaben von Führungskräften muss es gehören, für ihre Mitarbeiter wirklich da zu sein, in jeglicher Form Rahmenbedingungen zu schaffen, dass die Mitarbeiter sich am Arbeitsplatz wohl fühlen und entfalten können. Ein Mitarbeiter, der ohne Sorgen seinen Job machen kann, ist produktiv und innovativ, weil er gedanklich nicht anderweitig beschäftigt ist.

Wir müssen also weg von den eher männlichen Werten wie Macht, emotionaler Kälte oder politischem Kalkül hin zu eher weiblichen Werten wie authentischer Wertschätzung, Empathie und echtem Interesse am Mitarbeiter.

Um diesen Prozess zu beschleunigen, wird es aber nicht ausreichen, nur bei der Auswahl neuer Führungskräfte auf andere Kompetenzen zu achten als bisher. Auch aktuelle Unternehmens-, Bereichs- und Teamleiter sollten sich diesbezüglich überprüfen und Veränderungen in diesem Sinne anstreben. Die Krux: es funktioniert nur, wenn diese Werte wirklich authentisch und ehrlich gelebt werden, ansonsten erreicht man damit genau das Gegenteil. Das Ziel muss eine wertschätzende, ehrliche Unternehmens- und Führungskultur sein und nicht hohe Produktivität und Profit - denn diese kommen dann von ganz alleine.

Übrigens: auch wenn es unwesentlich ist, ob eine Frau oder ein Mann für diese weiblichen Werte steht, würde sich die Frage nach einer Frauenquote damit vermutlich gar nicht mehr stellen, weil wir dann ganz automatisch mehr Frauen in Führungspositionen sehen werden. Und das ist auch gut so!

#FürUnternehmen #Unternehmenskultur #Führung

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