• Daniel Feigenbutz

Wunsch erfüllt, Ziel erreicht - und trotzdem nicht glücklich? Daran könnte es liegen...



Wir alle haben unsere großen und kleinen Ziele im Leben. Mal wissen wir durchaus sehr konkret, was wir wollen, manchmal ist es noch so eine Art vernebelte Ahnung. Den Führungsjob, das große Haus, die tolle Hochzeit, ein Kind - vielleicht auch gerne alles und auf einmal?

Wenn wir unser Ziel erreicht haben, stellt sich leider des Öfteren heraus, dass es doch alles etwas anders ist, als wir es uns vorgestellt haben. Der Job macht möglicherweise mehr Stress als Freude; das große Haus ist aufgrund der hohen Finanzierung doch eher ein Käfig; von der Hochzeit hatten wir als eigentliche Hauptakteure nichts und der Partner / die Partnerin ist irgendwie doch nicht so das Wahre; das Kind ist schon eine Bereicherung, aber diese Dauer-Bespaßung…

Klar, wie immer alles etwas überspitzt dargestellt, und wer hier sagt, dass ihn/sie das nicht betrifft, weil es wirklich so gekommen ist, wie er/sie es sich ausgemalt hat, braucht nicht weiter zu lesen (und ich gratuliere von Herzen!).

Oft sieht die Realität jedoch leider anders aus. Nach einer Phase, in der das Neue noch interessant ist, kommt eine Phase der Ernüchterung. Da sieht man dann auch die negativen Seiten, die man vorher ausgeblendet oder auf die leichte Schulter genommen hat. Und nun sind wir gefangen in einer Situation, die sich schwer oder vermeintlich gar nicht rückgängig machen lässt.

Warum ist es so, dass wir die Tragweite unserer Entscheidungen im Vorhinein nicht erkennen?

Wünsche sind nichts anderes als Strategien. Und zwar Strategien, mit denen wir uns unsere Bedürfnisse erfüllen wollen. Der Haken ist: unsere tatsächlichen Bedürfnisse sind uns oft nicht bewusst. Das große Haus kann zum Beispiel für das Bedürfnis nach Freiheit stehen. Vielleicht aber auch für das Bedürfnis nach Wertschätzung, das dann eher durch das Feedback anderer befriedigt wird. Möglicherweise steht es auch für etwas ganz anderes. Oft auch für Bedürfnisse, die wir gar nicht so recht wahrhaben wollen. Was dahinter steckt, ist ganz individuell.

Hinzu kommt, dass die Strategien, die wir unbewusst zur Befriedigung unserer Bedürfnisse anwenden, oft gar nicht unsere eigenen sind. Wir haben sie, meistens schon in unserer Kindheit, von unseren Eltern oder anderen Vorbildern übernommen. Das heißt, die Wahrscheinlichkeit, dass diese Strategien ganz individuell zu uns passen, ist eher gering. Oft passten sie nicht mal für unsere Vorbilder, denn die haben die Strategien ja auch selten selbst entwickelt, sondern wiederum von ihren Vorbildern übernommen. (In Unternehmen spricht man in solchen Zusammenhängen übrigens oft von „Best-Practice-Lösungen“ - auch diese passen selten, denn es gibt keine eins zu eins übertragbaren Lösungen…)

Wie kann man diese „Falle" nun umgehen?

Je besser man sich selbst kennt, umso besser versteht man seine eigenen Bedürfnisse und auch seine Strategien. Somit kann man die Veränderungen vornehmen, die tatsächlich zu einer echten Befriedigung der Bedürfnisse führen können.

Fragen, die bei diesem Prozess hilfreich sein können, sind zum Beispiel:

- Was gewinne ich für mich, wenn ich dieses Ziel erreiche?

- Was wird mir dadurch möglich?

- Wenn ich das Ziel erreicht habe - was bekomme ich automatisch noch dazu, was ich vielleicht gar nicht haben möchte?

- Wem (Mutter/Vater/Oma/Opa…) werde ich ähnlicher (oder auch unähnlicher), wenn ich mir diesen großen Wunsch erfülle?

Es gibt nicht zwingend immer eine klare Antwort auf diese Fragen. Insbesondere die vierte mag auf den ersten Blick irritieren und birgt das Risiko einer unbequemen Antwort. Hier würde aber klar, welchen Vorbildern wir unbewusst nacheifern (bzw. von welchen wir uns distanzieren wollen - auch das gibt es häufiger, als man denken mag).

Stellt man sich diese Fragen nun aber bezogen auf mehrere Situationen im eigenen Leben, werden die eigenen Bedürfnisse immer klarer. Oder um ein anderes Wort zu nutzen: die eigenen Motive. Denn können wir unsere Motive leben, sind wir motiviert (das mag nach einer Binsenweisheit klingen, aber vielen Menschen ist dieser Zusammenhang nicht wirklich bewusst).

Wenn wir dann unsere tatsächlichen Bedürfnisse kennen, können wir in einem weiteren Schritt reflektieren, ob unser Wunsch / unser Ziel tatsächlich dazu dient, diese Bedürfnisse zu befriedigen - und ob wir uns mit der Erfüllung / Erreichung noch etwas „einkaufen“, was gegen eines unserer (anderen) Bedürfnisse verstößt. Ein großes Haus mag räumliche Freiheit geben, aber finanziell sorgt es möglicherweise für Enge. Und Kinder können sicherlich eine große Bereicherung sein, aber wenn es dadurch mit der Ihnen auch wichtigen Autonomie vorbei ist?

Gerade bei Entscheidungen mit großer Tragweite ist es einfach sinnvoll, sich mit diesen Fragen auseinander zu setzen, damit man mit dem LKW des Lebens nicht in einer Sackgasse landet - ohne Wendemöglichkeit (auch hier gibt es Auswege, aber der Aufwand ist ungleich höher).

Warum ein Coach dabei hilfreich sein kann

Natürlich können Sie diese Fragen für sich selbst beantworten oder auch mit guten Freunden besprechen. Die Begleitung durch einen Coach kann allerdings verschiedene Vorteile haben:

- er hakt solange nach, bis das Thema erschöpft ist - und gibt nicht vorher auf, weil es ggf. unbequem ist

- er verfolgt keine eigenen Motive, weil er an Ihrem Leben nicht beteiligt ist, d.h. er kann Ihnen völlig neutral zur Seite stehen (Partner, Eltern, Freunde haben oft ihre eigenen Motive, die indirekt mit hineinspielen und manipulieren können)

- er erforscht mit Ihnen, was Sie wirklich wollen, anstatt Ihnen Ratschläge zu geben, was sie tun sollten

- Sie können sich vollkommen auf sich konzentrieren - ohne Sorge, dass Sie etwas übersehen. Denn der Coach behält den Überblick, führt Sie zum roten Faden zurück und kennt Methoden, um auch komplexere Sachverhalte übersichtlich festzuhalten, so dass nichts Wesentliches verloren geht.

Natürlich benötigen Sie nicht bei jedem Eis, das sie sich kaufen wollen, einen Coach, mit dem Sie reflektieren, warum (wenn das allerdings zu dem Übergewicht führt, das sie immer schon loswerden wollten, könnte es durchaus Sinn machen, auch hier die Bedürfnisse zu hinterfragen…)

Ein guter Coach ist auch sicherlich nicht günstig. Bei Wünschen oder Zielen, die Sie unter Umständen finanziell, aber auch auf anderen Ebenen wie Gesundheit, Karriere etc. teuer zu stehen kommen oder äußerst viel Zeit kosten können, geht die Rechnung aber sehr schnell zu Ihren Gunsten auf.


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