• Daniel Feigenbutz

Was wir von Donald Trump lernen können



Vor kurzem wurde Donald Trump zum neuen US-Präsidenten gewählt. Unabhängig davon, ob man dies nun gut oder schlecht finden mag, lässt sich an ihm jedoch einiges beobachten, was auch für unser tägliches Leben interessant sein kann.

Dieser Artikel dient dem „Bewusst-Machen“ von Prozessen, die ganz automatisch in jedem von uns ablaufen. Manchmal ist es hilfreich, diese Prozesse für einen Moment anzuhalten und wie z.B. im Film aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Das schafft Klarheit - und damit neuen Handlungsspielraum und möglicherweise auch Handlungsalternativen.

Ich habe Donald Trump als Beispiel ausgewählt, da das Thema sehr aktuell ist und von vielen Menschen verfolgt wird; zudem ist es besonders plakativ. Prinzipiell könnten wir diese Beobachtungen aber auch an allen anderen Menschen machen, mit denen wir uns intensiver beschäftigen.

Unterschiedliche Anforderungen in unterschiedlichen Rollen

Mit der Wahl hat Donald Trump auch automatisch die eigene öffentliche Rolle gewechselt - vom Wahlkämpfer zum künftigen Präsidenten. Die Anforderungen an diese Rollen sind gänzlich unterschiedlich.

Im Wahlkampf kam es darauf an, die nötige Mehrheit zu erhalten, um die Wahl zu gewinnen. Über die Art und Weise, wie ihm dies gelungen ist, gibt es sicherlich unterschiedliche Auffassungen - im Sinne des Ziels, das er in dieser Rolle hatte, ist ihm das aber unbestritten gut gelungen, denn er hat die Wahl schließlich gewonnen.

Mit dem Moment des Wahlsieges kam er dann in die Rolle des neuen Präsidenten - eine Rolle, die nun ganz andere Ziele hat als das Gewinnen einer Wahl. Welche Ziele Donald Trump in dieser Rolle tatsächlich verfolgt und welche und wieviele im Wahlkampf genannten Ziele er umsetzen wird bzw. möchte, werden wir in den nächsten Wochen und Monaten erfahren.

Jedenfalls war schon direkt nach der Wahl zu beobachten, dass er deutlich moderatere Töne anschlägt, was sicherlich eher zu einer staatsmännischen Rolle passt als reißerische Parolen, die im Wahlkampf offenbar die nötigen Stimmen bringen.

Unterschiedliche Rollen zur gleichen Zeit

Nun schrieb ich oben von der „eigenen öffentlichen Rolle“. Wie wir alle hat auch Donald Trump unterschiedliche Rollen inne. Er ist beispielsweise auch Unternehmensleiter, Vater, Ehemann oder Freund. Das sind aber Rollen, die in der öffentlichen Wahrnehmung weniger oder so gut wie gar nicht stattfinden.

Sie sind möglicherweise Führungskraft, Mitarbeiter, Ansprechpartner für Kunden und Arbeitskollege, Partner und Mutter/Vater, Tochter/Sohn. Wenn man es genauer betrachtet, findet man noch viel mehr Rollen, in die wir mit mehr oder weniger Leichtigkeit automatisch von einem zum anderen Moment wechseln - oder die wir sogar im gleichen Moment innehaben bzw. die im gleichen Moment „aktiv“ sind.

Wenn nun aber mehrere Rollen gleichzeitig aktiv sind, wird es unter Umständen kniffelig. Alle Rollen haben Bedürfnisse und Interessen - wenn diese Bedürfnisse und Interessen aber unterschiedlich sind, gibt es einen Rollenkonflikt.

Folgende Situation möchte ich exemplarisch schildern:

Eine Gruppenleiterin moderiert ein Teammeeting und muss dabei eine Entscheidung der Unternehmensleitung kommunizieren. Diese Entscheidung hält sie persönlich für falsch und sie weiß, dass sich diese negativ auf ihre Mitarbeiter auswirken wird. Als Vorgesetzte möchte sie ehrlich gegenüber ihren Mitarbeitern sein, als Mitarbeiterin des Unternehmens erwartet man von ihr Loyalität - ein klassischer Rollenkonflikt. Hinzu kommen noch Bedürfnisse, die vielleicht gar nichts direkt mit dem Beruf zu tun haben: sie wünscht sich möglicherweise Harmonie und Ruhe im Job, weil sie kurz vor einer Scheidung steht, ein Elternteil gepflegt werden muss oder das Kind gerade in der Trotzphase ist.

Im Grunde reichen bereits zwei Rollen, in denen wir unterschiedliche Bedürfnisse haben, um zu einer kurz- oder mittelfristigen Überforderung zu führen.

Zur Seite treten und in Ruhe betrachten

Hier ist es dann hilfreich, sich in Ruhe hinzusetzen und alles zu sortieren. Man glaubt in einer solchen Situation oft, dass man die Zeit dafür nicht hat - aber es macht Sinn, sich diese Zeit dafür dann trotzdem zu nehmen, auch wenn vielleicht etwas anderes dadurch liegenbleibt.

In einem Coaching kann man sich beispielsweise zunächst über die unterschiedlichen Rollen mit den jeweiligen Bedürfnissen und Interessen Klarheit verschaffen, und dann auch die Rollen miteinander verhandeln lassen. Bei Konflikten kann man die Rolle einer anderen beteiligten Person einnehmen und das Ganze aus einer anderen Perspektive beleuchten.

Zurück zu Donald Trump: er muss sich nun in der neuen Rolle als künftiger US-Präsident orientieren. Dabei wird er von der Öffentlichkeit auf Schritt und Tritt beobachtet - und bewertet.

Wir alle sind Teil dieser Öffentlichkeit. Selten bemerken wir, dass da jemand seine Rolle gewechselt hat - Donald Trump ist doch Donald Trump, oder?

Aber wir schauen alle mit unterschiedlichen Augen - also aus unterschiedlichen Rollen heraus - auf das, was da passiert:

- als Unternehmer, der nun besseres oder schlechteres Geschäft erwartet

- als Hauseigentümer, der sich nun weiterhin niedrige Zinsen erhofft

- als Elternteil, der sich Sorgen um die Zukunft seiner Kinder macht

- als jemand, der nun Angst vor einem großen Krieg hat oder nicht mehr

- als jemand, der das alles ganz schlimm oder lustig findet

- oder eben eine Mischung aus mehreren dieser Punkte

- oder als Coach, der einfach nur ein paar kleine Anregungen zum Nachdenken geben möchte…


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