• Daniel Feigenbutz

Whistleblower als Entwicklungschance für Unternehmen



Nein, dieser Artikel ist kein Aufruf zum Geheimnisverrat. Dieser Artikel ist ein Aufruf dazu, Entwicklungschancen ernst zu nehmen und zu nutzen bzw. Schaden bestmöglich abzuwenden.

Natürlich ist es schon mal unbequem, wenn jemand auf Missstände aufmerksam macht. Das können Prozesse sein, die nicht richtig funktionieren, oder aber auch Dinge, die in der Außenwirkung eines Unternehmens (oder auch einer Behörde etc.) negative Auswirkungen haben können. Oft ist die Behebung mit Arbeit verbunden oder man kommt in Bedrängnis, sich rechtfertigen zu müssen - da ein „ab jetzt machen wir es anders“ meistens nicht reicht, sondern noch Altes korrigiert werden muss. Da ist es manchmal einfacher, den Überbringer der schlechten Nachricht kalt oder bloß zu stellen, und somit vom eigentlichen Problem abzulenken. Aber: das Problem ist immer noch da. Und die Wahrheit kommt früher oder später sowieso ans Licht.

Prominente Beispiele wie NSA oder VW zeigen, wie groß der Vertrauensverlust sein kann. Der Umgang mit den Veröffentlichungen wirkt völlig unprofessionell, da nur scheibchenweise das zugegeben wird, was eh schon bekannt ist, und ein Lerneffekt ist kaum zu erkennen. Man bekommt den Eindruck, es geht zukünftig eher darum, Missstände besser zu vertuschen als bisher anstatt sie aufzuarbeiten, daher werden Whistleblower wie Edward Snowden oder Wikileaks-Gründer Julian Assange erbittert bekämpft. Jeder mag selbst beurteilen, ob deren Veröffentlichungen moralisch gesehen richtig waren; trotzdem fragt man sich, was da wohl noch so alles im Verborgenen schlummert.

Uneinschätzbare Risiken für Unternehmen

In Unternehmen ist dieses Verhalten ebenfalls durchaus üblich, auch wenn das Ausmaß natürlich meistens deutlich geringer ist. Trotzdem wird hier viel Entwicklungspotential liegen gelassen. Wenn Prozesse nicht richtig funktionieren, dann birgt das ein finanzielles Risiko. Wenn illegales oder auch moralisch grenzwertiges Handeln an der Tagesordnung sind, besteht das Risiko eines Vertrauensverlustes, ein potentieller finanzieller Schaden ist gar nicht abzuschätzen. Vorhanden ist er auf alle Fälle. Dabei ist es sekundär, ob ein Verhalten juristisch legal ist, das interessiert den Verbraucher am Ende wenig.

Daher sollte es für Unternehmen eine Selbstverständlichkeit sein, eine Kultur zu schaffen, in der das Hinweisen auf Fehler und Risikopotentiale willkommen ist und belohnt wird. Das ist ein wesentlicher Bestandteil zur Selbsterhaltung eines Unternehmens, denn je nach Umfang des Problems kann es sogar existenz-gefährdend sein.

Führungsaufgabe: Mitarbeiter aktiv ermutigen

Mitarbeiter sollten von ihren Führungskräften aktiv dazu ermutigt werden, ständig ihre Prozesse zu beleuchten und auf mögliche Fehler und Verbesserungspotential zu untersuchen. Aufgabe der Führung ist es auch, den Mitarbeiter ab und zu zu irritieren, damit das Nachdenken nicht aufhört.

Es macht auch Sinn, hier ein System zu schaffen, in dem prozessfremde Mitarbeiter oder ab und an auch Externe einen Blick auf die Vorgänge werfen, um die Betriebsblindheit auszuschließen und frische Ideen zu entwickeln und einzubinden. Das kann Prozesse auch verschlanken und unnötige Kostentreiber reduzieren.

Und noch einen weiteren positiven Effekt hat es: Mitarbeiter, die ständig ihre Arbeit auf Entwicklungspotential überprüfen, entwickeln auch neue Ideen, die das Unternehmen weiterbringen können. Und zwar einfach deswegen, weil es erlaubt und gewünscht ist und eben nicht beschnitten wird. Hierzu können auch weitere Anreize wie die finanzielle Beteiligung an Einsparungen gegeben werden. Das findet kaum statt, aber wenn das Unternehmen 10.000 Euro spart, warum soll der Mitarbeiter nicht 2.000 Euro davon abbekommen? Das ist eine echte Win-Win-Situation, die ganz automatisch weitere nach sich zieht.

Nebenbei hat das auch noch eine positive Wirkung auf die Motivation von Mitarbeitern, da sie nicht nur als Funktionserfüller gesehen werden, sondern sich und ihre Ideen aktiv einbringen können.

Auf jeden Fall müssen Mitarbeiter für das Einbringen von guten Ideen belohnt und gefeiert werden. Und auch wenn eine Idee nicht umgesetzt werden kann, ist das nicht schlimm, sofern damit wertschätzend, fair und vor allem transparent umgegangen wird.


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